Themen 4.1 Was sind Theorien Sozialer Arbeit? Emanzipation: Klaus Mollenhauer Ausbeutung und Verelendung überwinden: Karam Khella LWO: Hans Thiersch Lebensweltbewältigung: Lothar Böhnisch Soziale Probleme lösen: Silvia Staub Bernasconi Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession Geschlechterverhältnisse, Soziale Arbeit und Care: Margit Brückner Soziale Räume aneignen und Entwicklung gestalten: Ulrich Deinet und Christian Reutlinger Diversitätsbewusste und rassismuskritische Soziale Arbeit: Rudolf Leiprecht und Paul Mecheril Themen 4.2 Soziale Beziehungen: Soziale Gruppe, Netzwerk, Organisation Soziale Beziehungen: Gesellschaft Soziale Beziehungen: Familie Sozialisation und Identität Soziologie von Altersphasen: Kindheit und Jugend Soziologie von Altersphasen: Alter Soziale Ungleichheit und soziale Schichtung Bourdieu Solidarität Soziale Probleme Themen 4.3 Einführung: Grundlagen der Politik und Sozialpolitik in der Sozialen Arbeit Geschichte der deutschen staatlichen Sozialpolitik Das System der sozialen Sicherung in DE Wie wirkt und was leistet der deutsche Sozialstaat? Kommunale Sozialpolitik Verhältnis von Sozialpolitik und Sozialer Arbeit How To: Sozialanwaltschaftliche Praxis 4.1 Was sind Theorien Sozialer Arbeit? Bezugswissenschaften= Wissenschaften, die mit der SA gemeinsame Bezüge haben (Überschneidungen, Themen etc.): Soziologie, Ethik, Rechtswissenschaft, Pädagogik, Biologie, Medizin, Ökonomie, Geschichte etc. Dimensionen von Theorien der SA nach Füssenhäuser: Wissenschaftscharakter & disziplinäre Verortung Definition des Gegenstands als Praxis & Wissenschaft Berücksichtigung von Werten & Ethik Analyse von Widersprüchen der Mandate etc. Wissenschaft: systematische, erkenntnisorientierte und methodisch fundierte Untersuchung der Wirklichkeit mit dem Ziel, neue und verifizierbare Erkenntnisse zu gewinnen, zu bewahren und zu vermitteln Zentrale Merkmale Wissenschaft: Erkenntnisgewinn: Ziel, neues Wissen erlangen & bestehendes zu erweitern Systematische Methode: Wissenschaft basiert auf anerkannten & überprüfbaren Methoden (Beobachtung, Experiment, Analyse) zur Erzielung objektiver Ergebnisse Objektivität: Streben nach Wissen, das unabhängig von subjektiven Meinungen ist & nachvollziehbar überprüft werden kann Disziplinen: Wissenschaft gliedert sich in Einzeldisziplinen mit spez. Gegenstandsbereichen z.B. Physik, Biologie, Soziale Arbeit etc.), die ähnlichen Grundprinzipien folgen Interdisziplinäre Verbindung: Erkenntnisse und Methoden fließen oft ineinander Charakteristika Wissenschaftlicher Erkenntnis: ist unvollständig, bezweifelbar & vorläufig immer relativ zu den eingesetzten Methoden, Rahmenbedingungen & den Interessen/Vorkenntnissen der beteiligten Akteure bedarf der Überprüfung durch Scientific Community & wissenschaftlicher Diskurs benötigt präzise Sprache & genaue Begrifflichkeiten Systematik der Wissenschaftsbereiche nach dem DFG: Lebenswissenschaften (Biologie, Medizin) Naturwissenschaften Ingenieurwissenschaften Geistes- und Sozialwissenschaften (Soziale Arbeit) Wissenschaftliche Disziplin: = relativ abgegrenzter Bereich der Wissenschaft, in dem systematisch Wissen zu einem bestimmten Themenfeld generiert und weiterentwickelt wird. Zeichnet sich aus durch: eigenes Forschungsgebiet Eigene Theorien & Methoden Gemeinschaft von Forschenden (Scientific Community -> alle Personen in der SA die forschen) Institutionalisierung Wissenschaftsdisziplinen sind nicht autonom, sondern relativ autonom. Sie sind miteinander verbunden durch: Relativ autonome Gegenstandsgebiete: Geteilte Forschungsgebiete erfordern Kooperation wir sind nicht die einzigen die sich bspw. für Kinderschutz interessieren, Medizin z.B. auch nur im körperlichen Sinne Relativ autonome Theorien: Theorien zwar eigenständig, aber voneinander abhängig wir generieren auch Theorien sind aber immer mit anderen verbunden Relative institutionelle Autonomie: Disziplinen sind im akademischen System verankert, entstehen durch Verbindung o. Auffächerung & bleiben strukturell, inhaltlich verbunden manchmal kommt zu Verbindung: Bio+Medizin= Biomedizin Auffächerung: Soziologie & Soziale Arbeit aus Sozialwissenschaften Wissenschaftssystematik: Formalwissenschaften: befassen sich mit abstrakten, logischen System (z.B. Mathe). Arbeit mit Symbolen, Axiomen, Beweisen Technikwissenschaften: Anwendung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse zur Problemlösung (z.B. Maschinenbau). Zielgerichtet, lösungsorientiert, interdisziplinär Realwissenschaften: beschäftigen sich mit der empirisch erfahrbaren Wirklichkeit (z.B. Naturwissenschaften). Empirisch, qualitativ/quantitativ Handlungswissenschaften: untersuchen planvollen, reflektiertes menschliches Handeln, oft mit praktischer o. pädagogischer Zielsetzung (z.B. Soziale Arbeit). Normativ, praxisorientiert, verbinden Theorie und Handlung Wissenschaftliche Aussagen Vs. Alltägliche Aussagen: Wissenschaftlich: präzise formuliert intersubjektiv überprüfbar belegbar durch Beobachtungen, Messungen oder Studien bsp. „die gemessene Temp. beträgt 27 Grad Celsius.“ bsp. „Ein hoher Zuckerkonsum erhöht das Risiko für Adipositas und Typ-2-Diabetes, wie Studien zeigen.“ Wissenschaftlich: bezieht sich auf Phänomene der alltäglichen LW, geht aber darübr hinaus Erkenntnisprozess bezieht sich sowohl auf das zu Erkennende (Gegenstand) als auch auf den Weg dorthin (Methode) -> wissenschaftstheoretisches Grundgesetz arbeitet „Vorwärts“ (Erkenntnisgewinn) und „Rückwärts“ (Hinterfragen von Vorabfestlegungen & Zugangsbedingungen) Alltagswissen: umgangssprachlich subjektive Eindrücke bezogen auf persönliche Erfahrungen bsp. „Heute ist es warm draußen.“ bsp. „Zucker ist ungesund.“ Alltagswissen: persönliches Wissen, das durch alltägliche Wahrnehmungen, Erlebnisse und Erfahrungen erworben wird dient als Handlungsleitfaden zur Begründung von Handlungen für andere nicht überprüfbar kann verändert werden durch Reflexion oder professioneller Hilfe Paradoxie moderner Wissenskonzepte: Geltungsanspruch von Wissen ist prinzipiell räumlich nicht eingrenzbar (mein Wissen muss z.B. in FR nicht gültig sein) Wissensansprüche werden an bestimmten Orten erhoben & sind mit Entstehungsorten verbunden gibt nicht die Wahrheit, sondern multiple, situativ ausgehandelte Wahrheitsansprüche Ebenen der Forschung: Empirische Forschung: Erforschung der sinnlichen Welt (Beobachtung, Beschreibung). Frage: Was ist los? Methoden-,Theorien- und Modellforschung: Entwicklung intellektueller Entwürfe (Verständnis, Erklärung). Frage: Wie ist das Erfasste zu verstehen? Evaluationsforschung: Überprüfung der Wirkung von Theorien in der Praxis. Frage: Was hat die Anwendung bewirkt? Grundlagen und Anwendungsforschung (Bonuspunkte) Arten der Forschung: Erkenntnisorientierte Grundlagenforschung: untersucht methodische & systematische Grundlagen einer Disziplin, zielt auf Theorienbildung und Überprüfung. Frage: Wie funktioniert etwas grundsätzlich? Anwendungsbezogene Forschung: erzeigt Wissen, das für konkrete Anwendungen relevant ist (z.B Impfstoff Entwicklung). Frage: Wie kann ich dieses Wissen für ein konkretes Problem nutzen? Methodik der Forschung: Methodologie: innerer Zusammenhang von Erhebungs- und Auswertungsverfahren Methode: einzelne Erhebungsverfahren (Interview, Fragebogen – quantitativ/qualitativ) Forschungsdesign: detaillierter, methodischer Plan einer wissenschaftlichen Untersuchung Formen der Erkenntnisgewinnung: Induktion: Ableitung allg. Regeln/Theorien aus einzelnen Beobachtungen (vom Besonderen zum Allgemeinen) bspw. Beobachtung: Kinder in meiner Gruppe werden bei Streitgesprächen lauter. Schlussfolgerung: Kinder neigen generell dazu, in Konflikten lauter zu werden Deduktion: Ableitung konkreter Aussagen/Vorhersagen aus einer allg. Regel/Theorie (vom allg. zum Besonderen) bspw. Allg. Regel: Kinder in stabilen Bindungen zeigen weniger aggressives Verhalten. Konkreter Fall: Kind zeigt kaum aggressives Verhalten. Schlussfolgerung: Kind lebt wahrscheinlich in einer stabilen Bindung Abduktion: Schlussfolgerung auf die plausibelste Erklärung aus einer Beobachtung bspw. Beobachtung: Ein ruhiger Junge zieht sich zurück. Hypothese: Er erlebt familiäre Konflikte oder eine Trennung der Eltern Differenzierung von Theorien: Metatheorien: umfangreichste Theorien, universelle Aussagen Theorien mittlerer Reichweite: Aussagen zu einem bestimmten Objektbereich, orientieren sich an Metatheorien Theorien kurzer Reichweite: stellen konkretes Wissen für die Praxis zur Verfügung Gegenstandsbereich Sozialer Arbeit Soziale Probleme bzw. die Bewältigung „ist die Bearbeitung gesellschaftlich und professionell als relevant angesehner Problemlagen. Dies umfasst: Vorwissenschaftliche Problemzüge: bsp Bedürftigkeit Verwissenschaftlichung und Professionalisierung: Bewältigung von Alltags- und Lebensführungsproblemen Soziale Tatsachen: Erziehung, Bildung, Armut Soziale Probleme = konkrete soziale Bedingungen, die als Störung, Widerspruch in der Gesellschaft analysiert werden können und die Möglichkeit und Notwendigkeit von Veränderung beinhalten. Wissenschaft Sozialer Arbeit ist eine Handlungswissenschaft = beschäftigt sich mit Problemen. Ziel einer Handlungswissenschaft ist die Wirksamkeit Traditionslinien der SA: Soziale Arbeit als Wissenschaft & Soziale Arbeit als Handlungswissenschaft Wissenschaft: SA will Erkenntnisse gewinnen und erklären Handlungswissenschaft: SA will mit Wissen auch praktisches Handeln anleiten und soziale Probleme bearbeiten Bitte beschreiben Sie in 5 Sätzen: Was zeichnet Soziale Arbeit als Profession aus? => Soziale Arbeit ist eine Profession, weil sie nicht nur Menschen hilft, sondern ihr Handeln auch wissenschaftlich begründet & reflektiert. Professionelles Handeln heißt, wissenschaftliches Wissen auf konkrete Fälle passend anzuwenden. Dabei reicht Theorie allein nicht aus, sondern sie muss situativ und sozial angemessen in der Praxis genutzt werden. Wichtig ist außerdem, dass Methoden, Konzepte & Techniken der Sozialen Arbeit theoriegeleitet sind. Als Profession fördert Soziale Arbeit Teilhabe, Chancengleichheit und die Rechte der Adressaten Emanzipation: Klaus Mollenhauer Bildung soll Menschen selbstständiger & Mündiger machen (Mollenhauer) Erfahrungen mit Generationskonflikten: erlebte und analysierte Konflikte zwischen verschiedenen Generationen, die sich in Werten, Einstellungen und Lebensform unterschieden. Bsp. für Generationsunterschiede: Gen nach dem 1. WK Gen des 2. WK Gen des Wiederaufbaus Gen der Protestbewegungen Gen des Wohlstands Ursachen und Merkmale von Generationskonflikten: mehrere Generationen wirken gleichzeitig an der gesellschaftlichen Entwicklung mit Konflikte entstehen durch altersbedingte Unterschiede in Einstellungen & Wertvorstellungen, Autoritätsprobleme und unterschiedliche Anpassung an sozialen und kulturellen Wandel Gegenseitige Befürchtungen der Generationen: Ältere Gen: fürchtet den Bruch des Genvertrags, will eigene Normen bewahren (Sparsamkeit, Ordnung) Jüngere Gen: wehrt sich gegen ältere Normen, strebt nach hohen Werten (Risiko, Kreativität) Geisteswissenschaftliche Pädagogik: Mollenhauer stammt aus der Tradition der geisteswissenschaftlichen Pädagogik, deren zentraler Vertreter Herman Nohl war. Geisteswissenschaftliche Pädagogik betrachtet Erziehung & Bildung als kulturelle, historische und sinnhafte Phänomene Nutzt hermeneutische Methoden zur Interpretation von Sinneszusammenhängen Fokus auf Kultur & Geschichte Annahme der relativen Autonomie der Pädagogik als eigene Disziplin Mollenhauers Erziehungsverständnis: Erziehung als asymmetrischer Dialog, der sinnstiftend Tradition und Veränderung verbindet (ältere Gen weiß immer mehr), heißt: Fachkraft hat mehr Wissen & Verantwortung als Adressat Ziel: Förderung der Produktivität und Selbstständigkeit des Lernenden Erziehung als anthropologischer Grundsachverhalt menschlicher Existenz Bedingungen und Formen von Erziehung abhängig von historischer & soziokultureller Situation Erziehung kann misslingen durch: fehlende Unterstützung, Dressur, Formlosigkeit Erziehungsinstrumente (wenn ich bspw.. was über meine Kultur beibringen will): Tätigkeiten, Räume, Sprache, Körper etc. gesellschaftlich organisiert in Familie, Schule, Ausbildung etc. Erziehungswissenschaft nach Mollenhauer: Gesamtheit der methodisch kontrollierten Erkenntnisbemühungen über Erziehung & Bildung Gegenstand: Handlungen, die die nachwachsende Generation zum Erwachsensein führen; Handlungen an Erwachsene als Lernende; Prozesse der Selbst- und Weltformierung Das Pädagogische in der Sozialpädagogik: Mollenhauer analysierte das pädagogische Element im Zwischenfeld von Familie und Schule dies führte zur Entstehung eines verzweigten Systems der Kinder- und Jugendhilfe Frage nach Eigenständigkeit beantwortet er damit, dass sie Teil der Pädagogik ist und kein spezifisch eigenes methodologisches Merkmal besitzt. Chancen & Grenzen seines Ansatzes: Chancen: fördert Mündigkeit und Teilhabe macht Macht und Ungleichheit sichtbar betont Verständigung, Kommunikation und Beziehung Grenzen: Migration, Gender, Inklusion kommen zu wenig vor oft zu theoretisch für die Praxis teils hierarchisch / einseitig gedacht Ausbeutung und Verelendung überwinden: Karam Khella Khellas Denken ist geprägt von den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Ägypten und Deutschland seiner Zeit. Seine Forschungsinteresse und theoretischen Ansätze sind untrennbar mit seinen persönlichen Erfahrungen und seiner marxistisch-materialistischen Wertsicht verbunden. Forschungsinteresse: Erfahrungen in Ägypten mit sozialen & wirtschaftlichen Problemen der armen Landbevölkerung Beobachtung sozialer Probleme der Arbeiter in der BRD Suche nach Lösungen für soziale Missstände Verständnis von Sozialarbeit und Sozialpädagogik: dienen der Betreuung von Menschen in sozialen Problemlagen Soziale Probleme entstehen durch Mängel in den Lebensverhältnissen und ihren ökonomischen Grundlagen Sozialarbeit & Sozialpädagogik beziehen sich auf Defizite und sollen diese durch Erziehung und ggf. Behandlung ausgleichen Wissenschaftsverständnis: Der historische-materialistische Ansatz: Wissenschaft hat keinen Selbstzweck, sondern soll gesellschaftliche Zusammenhänge kritisch aufdecken Zentraler Gedanke: Gesellschaft wird von ihren ökonomischen Verhältnissen bestimmt; diese sind Ursache sozialer Ungleichheit, Not & Klassenunterschiede Ziel: Überwindung der kapitalistischen Gesellschaft, Aufbau einer klassenlosen, kommunistischen Gesellschaft Bedeutung für die Soziale Arbeit: SA und Sozialpolitik benötigen Methoden, die von ökonomischen Verhältnissen (Basis) ausgehen Soziale Probleme sind Folgeerscheinungen dieser Basis und werden durch Rechtsordnung, Öffentlichkeit, Hilfesysteme verfestigt Soziale Arbeit „von unten“: „von unten“ = an der Seite des Betroffenen, aus seiner Perspektive und gegen ungerechte Verhältnisse (geht nicht von dem aus, was Staat oder Institution will) Soziale Probleme nicht nur individuelles Problem sondern Folge gesellschaftlicher und ökonomischer Verhältnisse hilft bei akuten Problemen und hat Blick auf politische Ursachen Inwiefern kann der Ansatz der „Sozialarbeit von unten“ nach Karam Khella heute noch als handlungsleitend für die Soziale Arbeit verstanden werden? heute wichtig, da SA sich an den Lebenslagen der Betroffenen orientiert und Armut, Ausgrenzung & Ungleichheit nur individuell sondern gesellschaftlich erklären Handlungsleitend auch seine Idee von Parteilichkeit & Solidarität mit armen & unterdrückten Menschen Wichtig: akute Hilfe leisten, aber auch politischen Zusammenhang sehen (Problem nicht nur als persönliches Versagen sehen, sondern fragen warum dieses Problem entsteht Wie beeinflusst Khellas marxistisch-materialistische Gesellschaftsanalyse das Verständnis von Armut und sozialer Ungleichheit in der Sozialen Arbeit? er versteht Armut & soziale Ungleichheit nicht als individuelles Versagen, sondern als Folge gesellschaftlicher und ökonomischer Verhältnisse für ihn entstehen soziale Probleme aus der ökonomischen Basis der Gesellschaft Staat, Gesetze, Öffentlichkeit & Hilfesysteme könnten Ungleichheit verfestigen Armut ist bei Khella kein persönliches Problem, sondern ein gesellschaftlich erzeugtes Wo liegen die Grenzen von Khellas Theorie im Hinblick auf heutige vielfältige Differenzlinien wie Geschlecht, Migration und Diversität? => Grenzen: Ansatz schaut vor allem auf Klasse & Kapital (erklärt Ungleichheit über Klasse) unzureichende Berücksichtigung von Geschlecht, Migration, Ethnizität, Diversität Menschen erscheinen bei ihm als „Klientel im kapitalistischen System“ und weniger als vielschichtige Personen mit verschiedenen Lebenslagen für heute zu eindimensional, da soziale Probleme komplexer und vielfältiger Was bedeutet, dass er auf Klasse & Kapital schaut? er meint, dass Ungleichheit vor allem durch die Wirtschaftsordnung entsteht. erklärt Armut nicht zuerst mit persönlichem Verhalten, sondern mit dem Verhältnis von Lohnarbeit und Kapital Seine Frage: „in welcher sozialen Klasse lebt ein Mensch?“ und nicht „Welche individuelle Geschichte hat er?“ Wie lässt sich Khellas Verbindung von Theorie und Praxis („die zehn Schritte“) auf aktuelle Handlungsfelder Sozialer Arbeit übertragen? => Zehn-Schritte kann man so verstehen: Probleme zuerst bewusst machen (Sensibilisierung) Menschen zusammenbringen statt sie allein zu lassen (Kollektivierung) konkret handeln bei akuten Problemen (Aktion) immer wieder auswerten, was hilft und was nicht (Reflexion) Menschen stärken & aktivieren (Mobilisierung) nachdenken, sich klar werden wohin es gehen soll (Orientierung) Menschen nicht allein lassen, sondern an Gesellschaft und Klasse anbinden (Wiedereingliederung) Wissen & Fähigkeiten aufbauen, damit Handeln möglich wird (Qualifizierung) Zusammenschließen und gemeinsam handeln (Organisation) gesellschaftliche Veränderung; Benachteiligte sollen selbst aktiv mitgestalten (Transformation) LWO: Hans Thiersch => Thiersch Ansatz: SA darf nicht nur von Institutionen & Regeln ausgehen, sondern muss an der LW um dem Alltag der Adressaten ansetzen Forschung und Theorie: Forschungsinteresse & Gegenstand seiner Arbeit sind untrennbar mit der Hermeneutik als wissenschaftlicher Grundlage der sozialpädagogischen Theoriebildung. Idee: Alltag bzw. Lebenswelt der Adressaten ist der eigentliche Gegenstand SA Alltag besteht aus Lebensproblemen, die Menschen bewältigen müssen -> Thiersch richtet sein Interesse danach Thierschs Theorieverständnis besagt, dass Gegenstand der SA soziale und Lernprobleme sowie sozialpädagogische Interventionsformen als gesellschaftliche Reaktionen auf diese Probleme sind Hermeneutik: Lehre der Auslegung und Erklärung von Texten sowie dem Verstehen von Sinnzusammenhängen in Lebensäußerungen aller Art Lebensweltbegriff: Begriff „Alltag“, soll Lebenserfahrungen aller Menschen ernst nehmen, nicht nur die der „bedeutenden“ Personen 5 Merkmale des Alltagslebens, geprägt durch soziale, zeitliche und räumliche Überschaubarkeit, sind: Wahrnehmung als Subjekt mit eigenen Erfahrungen und Aufgaben Einbettung in ein soziales Umfeld Gleichzeitige Bewältigung vielfältiger Aufgaben Pragmatische Orientierung (Verzicht auf ständige Begründung) Notwendigkeit von Entlastung durch Regeln und Routinen Ziel: Ziel ist nicht ein „gelungener“ Alltag als Vollendung, sondern ein „gelingenderer“ Alltag, um aus Verstrickungen herauszukommen Rekonstruktion der Lebenswelt nach Thiersch: Erlebter Raum: Raum, den ein Mensch erlebt und gestalten kann, der durch Erfahrungen und Begegnungen Bedeutung erhält Erlebte Zeit: Zeit, die individuell erlebt, gestaltet und eingeteilt wird, und die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft umfasst Erlebte Beziehungen: Beziehungen, die durch persönliche Bedeutungen geprägt sind und unterstützend oder belastend sein können, teils beides zugleich. Beziehungen sind sowohl Ressource als auch Spannungsfeld Lebensweltorientierte SA zeichnet sich dadurch aus, dass sie: ihre Hilfe an das Subjekt in seinen Verhältnissen richtet und auf Empowerment, Hilfe zur Selbsthilfe und Identitätsarbeit abzielt Selbst- und Mitbestimmung akzeptiert Dialogisch und basisdemokratisch arbeitet, um einen gelingenderen Alltag für alle zu erzielen etc. Institutionelle Hürden für eine LWO Praxis nach Thiersch: Bürokratie: zeitaufwendige Dokumentationspflichten können von direkter Arbeit mit Klienten ablenken Zeitdruck: Personalmangel führen zu Zeitdruck, der eine intensive, auf die LW ausgerichtete Arbeit erschwert Institutionelle Vorgaben: starre Orgastrukturen und Vorgaben von übergeordneten Behörden können Flexibilität und LWO- Handeln einschränken Konkurrenzdenken: mangelnde Kooperation & Infoaustausch zwischen Jugendamt, Schule etc. erschwert ein ganzheitliches Vorgehen Strukturmaxime/Handlungsmaxime nach Thiersch: Strukturierte Offenheit Prävention Alltagsorientierung Regionalisierung Inklusion Partizipation Einmischung Lebensweltbewältigung: Lothar Böhnisch Böhnisch war stark von Hans Thierschs emanzipatorischer Sozialpädagogik beeinflusst Entwicklung seiner Theorie wurde durch folg. gesellschaftliche Entwicklungen beeinflusst: Gesellschaftlicher Wandel in Industrieländern (bspw. radikale Veränderung der Lebensbedingungen weltweit) Folgen des gesellschaftlichen Wandels (bspw. Zunahme von Genkonflikten; Schwierigkeiten im Alltagsleben & bei der Umsetzung sozialer, politischer und wirtschaftlicher Ziele) Ullrich Becks „Risikogesellschaft“ (Modernisierung bringt neue Risiken für Menschen) Sozialpädagogischer Diskurs (Fokus auf Alltag & Alltagsbewältigung) etc. Forschung und Theorie Böhnischs Forschungsinteresse und theoretische Ansätze sind eng miteinander verbunden und zielen darauf ab, die Bewältigung moderner Lebensbedingungen zu verstehen und zu unterstützen. Forschungsinteresse/- und Gegenstand Schwerpunkte Beispiele: Sozialisation des Lebensalter Jugendarbeit Sozialpolitik Geschlechterforschung etc. Interesse an: Veränderung der Geschlechterverhältnisse Rolle und Aufgaben von Bildung und Pädagogik Sozialpolitik als Bewältigungspolitik Krise des Sozialstaats im digitalen Kapitalismus: Globalisierung und technnologischer Fortschritt destabilisieren soziale Sicherungssysteme Wirtschaft benötigt weniger Massenarbeit, Staat muss weiterhin für Bürger sorgen Digitaler Kapitalismus: nur flexible, global einsetzbare Menschen sind sichtbar SA soll professionell unterstützen „Überflüssige“ bleiben unsichtbar und müssen gesellschaftlich sichtbar gemacht werden Unterscheidung von Arbeit: Erwerbsarbeit: zentrale Quelle von Status, Sinn und Integration Unbezahlte Arbeit: alltägliche Lebensgestaltung Lebenslauf Vs. Biografie: Lebenslauf -> strukturiert durch Bildung und Arbeit Biografie -> individuelle Ausgestaltung des Lebenslaufs Gute Lebensführung = Passung von Lebenslauf und Biografie Desintegration und Krisen: sozialstrukturelle Probleme werden zu biografischen Krisen Lebensbewältigung: streben nach Handlungsfähigkeit bei gefährdetem Selbstwert und Anerkennung Ziel: Wiederherstellung inneren Gleichgewichts Theorie Grundannahmen: Streben nach Handlungsfähigkeit ist biologisch verankert intrinsische Motivation zur Handlungsfähigkeit wenn Menschen handlungsfähig sind, verspüren sie Selbstwirksamkeit Jedes Verhalten ist Ausdruck für das Streben nach Handlungsfähigkeit Erweitertes Verhalten: aktive Mitgestaltung von Lebenskontexten und Bewältigung von Problemen Einfaches Verhalten: Alltag wird subjektiv organisiert, aber Probleme werden nicht grundlegend gelöst bzw. nicht gesehen Regressives Verhalten: zeitweise Herstellung von Handlungsfähigkeit durch deviantes Verhalten -> antisoziale und selbst destruktive Bewältigungsversuche Theorie Bewältigungslage: Bewältigungslage wird durch folg. Faktoren beeinflusst Wahrnehmungs- und Ausdrucksmöglichkeiten (emotional, körperlich, zwischenmenschlich) Rückmeldung sozialer Anerkennung etc. Kritische Lebensereignisse: belastende Erfahrungen, die vorhandene Bewältigungsressourcen überfordern Störung des psychosozialen Gleichgewichts: Soziale Anerkennung und Selbstwert sind gefährdet Lebenskonstellation werden als kritisch erlebt, wenn vorhandene personale und soziale Ressourcen zur Bewältigung nicht mehr ausreichen führen zu biografischen Integrationskrisen 3 Faktoren - Entstehung kritischer Lebensereignisse hängt zusammen mit: Gesellschaftlichen Bedingungen Sozialer Umgebung Innerpsychischen Abläufen Vier Dimensionen der Bewältigungsproblematik: Selbstwertverlust: Gefühl, weniger Wert zu sein Orientierungslosigkeit: Verlust von Sinn und Richtung im Leben Fehlender sozialer Rückhalt: Isolation und mangelnde Unterstützung durch andere Suche nach sozialer Integration: das Bedürfnis, dazuzugehören und anerkannt zu werden Bedeutung Böhnischs Konzept für SA: es verknüpft gesellschaftliche Strukturen mit individueller Lebensbewältigung es ist anschlussfähig für viele Methoden der SA zentraler Faktor Bildung Welche gesellschaftlichen Veränderungen (z.B. Globalisierung, Risikogesellschaft) beeinflussten seine theoretische Entwicklung? => geprägt vor allem durch den gesellschaftlichen Wandel: Globalisierung: Welt wird wirtschaftlich enger verbunden, dadurch werden Lebens- und Arbeitsbedingungen unsicherer Risikogesellschaft: moderne Leben bringt mehr Unsicherheiten & neue Risiken Mobilität: Menschen müssen öfter umziehen, pendeln -> Bindungen werden unsicherer und Leben schwerer planbar Ökonomisierung: Immer mehr Lebensbereiche werden nach Nutzen, Leistung & Konkurrenz bewertet Was bedeutet „Lebensbewältigung“ nach Böhnisch und welche Rolle spielt die Handlungsfähigkeit? => Menschen gehen mit schwierigen Lebenslagen und Krisen so um, dass sie ihren Alltag trotzdem bewältigen können. (Menschen versuchen, trotz Problemen handlungsfähig zu bleiben oder wieder zu werden) Handlungsfähigkeit im Kern: Menschen wollen Gefühl haben, dass sie noch etwas tun, entscheiden & ihr Leben beeinflussen können Was versteht Böhnisch unter dem „digitalen Kapitalismus“ und inwiefern macht dieser bestimmte Menschen „unsichtbar“? digitaler Kapitalismus: Gesellschaft, in der Globalisierung & technologischer Fortschritt die Arbeitswelt & den Sozialstaat verändern „unsichtbar“: werden Menschen, die nicht flexibel & global einsetzbar sind. Sichtbar sind die, die sich gut anpassen. Die anderen gelten als überflüssig Böhnisch sagt deshalb diese Menschen soll man unterstützen und gesellschaftlich wieder sichtbar machen! In welchem Zusammenhang stehen sozialstrukturelle Veränderung und biografische Krisen? => Sozialstrukturelle Veränderungen können zu biografischen Krisen werden. Wenn sich Gesellschaft, Arbeit, Sicherheiten und soziale Bindungen verändern, geraten Menschen leichter in Krisen. -> bisherige Bewältigungsformen reichen nicht aus = Selbstwert, Anerkennung & Handlungsfähigkeit werden gefährdet biografische Krisen: persönliche Lebenskrisen, die aus belastenden Lebensereignissen & sozialen Problemen entstehen. Typisch daran sind die 4 Dimensionen. Selbstwert, Anerkennung & Handlungsfähigkeit sind bedroht Inwiefern hilft die Lebensbewältigungstheorie dabei, das Verhalten von Adressaten als sinnhaftes Bewältigungshandeln zu verstehen – auch wenn es sozial auffällig oder destruktiv erscheint? Böhnisch versteht auch auffälliges oder destruktives Verhalten als Versuch, Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen auch problematisches Verhalten kann ein Bewältigungsversuch sein Wo liegen Chancen und Grenzen der Forderung Böhnischs, dass Soziale Arbeit gesellschaftliche Missstände „skandalisieren“ soll – insbesondere im Spannungsfeld institutioneller Abhängigkeiten? => Böhnisch meint: SA soll nicht nur einzelnen Menschen helfen, sondern auch sagen, wenn die Gesellschaft unfair ist. Chancen: Probleme werden nicht nur als Privatproblem gesehen sondern als gesellschaftliches Problem Grenzen: SA kann die Verhältnisse nicht einfach selbst ändern warum schwierig?: SA ist selbst von Staat, Trägern und Organisationen abhängig Bsp: Sozialarbeiterin sieht Armut nicht nur als persönliches Versagen, sondern Folge schlechter Lebensbedingungen. Er/Sie kann das ansprechen und kritisieren, aber nicht allein das System ändern Welche Bedeutung hat das Empowerment-Konzept im Rahmen der Lebensbewältigungstheorie, und wie kann es in unterschiedlichen Altersgruppen oder Lebenslagen konkret umgesetzt werden? Bedeutung: Menschen so stärken, dass sie mehr Selbstbestimmung & Handlungsfähigkeit gewinnen wichtig bei Böhnisch weil,: Lebensbewältigung = mit schwierigen Lebenslagen umgehen und handlungsfähig bleiben Umsetzung: Unterstützung bei: Anerkennung Selbstbestimmung Ausdrucksmöglichkeiten soziale & räumliche Gestaltungsmöglichkeiten Hilfe muss an Biografie, Bildung, & konkrete Lebenssituation angepasst werden Soziale Probleme lösen: Silvia Staub Bernasconi Theorie von Bernasconi zielt darauf ab, den Gegenstand SA – soziale Probleme – zu analysieren. Ausgangspunkt der SA: Soziale Probleme, die durch Industrialisierung und damit verbundene Armut entstanden sind Ziel: Entwicklung einer Theorie- und Mehtodenentwicklung, die mehrere Perspektiven auf komplexe soziale Probleme vereint Wissenschaftliches Ziel: erkennen, was problematisch ist, warum es problematisch ist, auf welcher Wertebasis dies geschieht und wie Veränderungen herbeigeführt werden sollen keine Trennung: Bernasconi sieht keine keine Trennung zwischen Sozialarbeit und Sozialpädagogik Das Prozessual-Systemische Paradigma: Paradigma zentral für ihren Ansatz und stellt einen Mittelweg zwischen Atomismus (Fokus auf Individuum) und Holismus (Fokus auf Gesellschaft als Ganzes) dar. Grundannahme: alles Existierende ist entweder ein System oder Teil eines Systems. Systeme folgen gesetzmäßigen Strukturen, Entstehungsweisen und Verhaltensmustern Ziel: Überwindung des Dualismus Individuum – Gesellschaft Betrachtungsweise: Ermöglicht eine theoretisch begründete und gleichzeitige Betrachtung des Mikro- und Makrosozialen Menschenbild: Menschen sind lern-, sprach-, und selbstwissensfähige Biosysteme. Sie sind von Geburt an Teil sozialer Systeme und übernehmen dort Funktionen Soziale Probleme werden als Probleme von Individuen im Zusammenhang mit sozialen Interaktionsprozessen sowie als Mitglieder von sozialen Systemen mit ihrer Sozialstruktur und Kultur verstanden. Sie entstehen durch Spannungen, die sich aus nicht befriedigten Bedürfnissen ergeben Systemische Bedürfnistheorie bildet die zentrale Grundlage für ihre Theorie Bedürfnisse sind biologisch, psychisch und sozial determiniert und unterscheiden sich von bloßen Wünschen. Befriedigung von Bedürfnissen gilt als grundlegendes Recht jedes Menschen Grundannahme: alle Menschen haben gleiche grundlegende Bedürfnisse (bio, sozio, psy, kult) Unterschiede: Prio und die Formen der Bedürfnisbefriedigung unterscheiden sich und sind kulturell vermittelt, erlernt und sozial-politisch ausgehandelt Motivation: Affekte (Triebe, Emotionen, Gefühle) signalisieren einen Mangel und motivieren Abhängigkeit der Bedürfnisbefriedigung von: Menge und Verfügbarkeit geeigneter Güter und Situationen Individuelle Fähigkeiten, vorhandene Möglichkeiten zu nutzen oder zu neue zu schaffen Grundlegende menschliche Bedürfnisse Beispiele: psychische Bedürfnisse (Luft, Wasser); körperliche Unversehrtheit, Emotionale Zuwendung; Soziale Anerkennung; Gerechtigkeit; etc. 6 Bereiche der LW für die Entstehung & Befriedigung von Bedürfnissen: Soziomaterieller Bereich (Körper, Güter etc.) Reflexiver Bereich (Wahrnehmung, Erkenntnis) Ideell-symbolischer Bereich (Denkmodelle, Bilder, Symbole) Aktiv-produktiver Bereich (Handeln, Gestalten) Bereich sozialer Beziehungen (Familie, Nachbarschaft) Bereich der Machtquellen (Kraft, Ressourcen, Kontrolle) 4 Problemkategorien im Zusammenhang der ungleichen Teilhabe an gesellschaftlichen Ressourcen laut Bernasconi: Ausstattungsprobleme: Probleme die mit der unterschiedlichen Teilhabe an medizinischer, psychischer, sozialer & kultureller Ausstattung einer Gesellschaft zusammenhängen. Bsp. körperliche Unversehrtheit; Gesundheit; soziale Gerechtigkeit Austauschprobleme: Menschen sind auf Austausch mit anderen und ihrer Umwelt angewiesen. Individuelle Ausstattung bestimmt das Potenzial für diesen Austausch. Bsp. Austauschgerechtigkeit, herrschaftsfreie Kommunikation, Kooperation und Teilhabe Machtprobleme: Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen hängt von Macht ab. Macht kann Einfluss fördern oder begrenzen. Wichtig sind eine gesellschaftliche und individuelle Machtanalyse sowie die Unterscheidung zwischen legitimer (begrenzungsmacht) und illegitimer (Behinderungsmacht) Macht. Bsp. Verteilungsgerechtigkeit, Demokratie Kriterien- und Werteprobleme: Werte sind gemeinsame Vorstellungen über das Wünschenswerte. Kriterien sind gesellschaftlich festgelegte Werte, die durch soziale Kontrolle gesichert werden. Sie können vorhanden sein oder fehlen. Bsp. Menschenwürde, Teilhabe, Freiheit SA als Handlungswissenschaft: Staub-Bernasconi versteht die SA als Handlungswissenschaft. Die Theorie basiert auf der Verknüpfung von sechs Wissensformen, die durch die W-Fragen (Was? Warum? Woraufhin? Wer? Wie? Womit?) und Evaluationswissen abgedeckt werden. Wissensformen: Beschreibungswissen; Erklärungswissen; Wertwissen; Verfahrenswissen; problembezogenes Wissen; problemlösungsbezogenes Wissen; Akteurswissen; Evaluationswissen Ziel: Analyse von Anamnese, Diagnose, Intervention und Evaluation Das professionelle Mandat: Staub-Bernasconi erweitert das klassische Doppelmandat der SA zu einem Tripel- bzw. Berufsmandat: Mandat 1 (Gesellschaft/Staat): umfasst gesellschaftliche Erwartungen, gesetzliche Vorgaben & Normen Mandat 2 (Individuum/soziale Gruppen): bezieht sich auf Anliegen & Wünsche der Adressaten, die nicht immer mit dem Mandat 1 übereinstimmen Mandat 3 – Tripel/-bzw. Berufsmandat (Sozialarbeitende): beinhaltet die wissenschaftliche Fundierung der Praxis und einen eigenständigen Ethikkontext der Profession. Mandat ermöglicht kritische Überprüfung und Revision der ersten beiden Mandate. Es betont, dass Gesetze zwar legal, aber nicht zwingend ethisch legitim sein müssen SA wird als Menschenrechtsprofession verstanden mit ethischem Bezugsrahmen, der individuelle Bedürfniserfüllung mit der Erweiterung von Wissens- und Handlungsspektren sowie dem fairen Ausgleich von Rechten & Pflichten für sozialen Frieden verbindet. Kritikpunkte: komplexe Theorie Abgrenzung von anderen Systemtheorien praktische Umsetzbarkeit des Trippelmandats Inwiefern trägt das prozessual-systematische Paradigma nach Staub-Bernasconi zur Überwindung des Dualismus von Individuum und Gesellschaft bei? Bernasconi überwindet: betrachtet nicht nur das Individuum und nicht nur Gesellschaft sondern beides zusammen ihr Paradigma erlaubt: gleichzeitige Betrachtung von Mikro-und Makrosozialem kurz: prozessual-systematische Paradigma überwindet den Gegensatz von Individuum und Gesellschaft, indem es soziale Probleme als Ergebnis ihres Zusammenspiels versteht Welche theoretische Bedeutung kommt der Theorie von Silvia Staub-Bernasconi bezgl. der Fundierung Sozialer Arbeit als Menschenrechtsprofession zu? ihre Theorie verbindet soziale Probleme, Bedürfnisse & Menschenrechte miteinander Menschenrechte sind bei ihr ein ethischer & fachlicher Maßstab für professionelles Handeln SA bekommt so eigenständige normative Grundlage: soll eingreifen wenn Menschen in ihrer Bedürfnisbefriedigung, Würde oder Teilhabe verletzt werden wichtig weil so SA theoretisch klarer begründet wird Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession Definition und Ziel: Menschenrechte sichern allen Menschen ein freies, selbstbestimmtes und unabhängiges Leben zu Sie sind die Grundlage für ein menschenwürdiges Dasein alle Menschenrechte leiten sich von der Menschenwürde ab die Menschenwürde basiert auf der Individualität; Einzigartigkeit und dem Zweck-an-sich-Sein jedes Menschen Umfassende Rechte: Menschenrechte umfassen verschiedene Kategorien: Bürgerliche Freiheitsrechte (bspw. Meinungsfreiheit) Politische Teilhaberechte (bspw. Wahlrecht) Soziale Rechte (bspw. Recht auf Bildung/Arbeit/soziale Sicherheit) Transnationale Rechte (bspw. Recht auf Asyl; Staatsangehörigkeit) Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR): 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet Meilenstein in der globalen Anerkennung von Menschenrechten Zentrale Neuerungen der AEMR: Gleiche Würde als Fundament: Die Menschenwürde ist die Grundlage aller Rechte Diskriminierungsverbot und Präzisierung des Gleichheitsgebots: Artikel 2 & 7 stellen klar, dass Rechte ohne Unterschiede für alle gelten Universeller Geltungsspruch: Rechte gelten für alle Menschen überall Ausweitung der Schutz- und Entfaltungsbereiche Warnung vor Vereinseitigungen: nur auf moralische Appelle zu setzen, birgt die Gefahr der Moralisierung und einer „Halbierung“ von Rechten Ein reiner Fokus auf rechtliche Aspekte kann die moralische und gesellschaftliche Dimension vernachlässigen Es gibt Kontroversen zur Auslegung der AEMR, z.B. beim Nicht-Diskriminierungsverbot Inhaltliche Gliederung der AEMR: umfasst 30 Artikel Bürgerliche und politische Rechte Wirtschaftliche und soziale Rechte Solidaritäts-/Schutzrechte Menschenrechte, Bedeutung für die SA: Internationale Definition: betont, dass SA sozialen Wandel, Problemlösung, Empowerment und Befreiung fördert und Menschenrechte sowie soziale Gerechtigkeit als fundamental betrachtet Theoretische Fundierung: Silvia Staub-Bernasconi hat die SA theoretisch als Menschenrechtsprofession fundiert. Kritik an der AEMR: Universalismus vs. Kulturrelativismus: AEMR würde westliche Werte aufzwingen und kulturelle Unterschiede ignorieren Unvollständigkeit: AEMR wird als unvollständig gesehen, insbesondere in Bezug auf soziale und ökonomische Rechte oder die Berücksichtigung von Kollektivrechten Umsetzbarkeit: tatsächliche Durchsetzung der AEMR wird in Frage gestellt, da sie primär eine Erklärung ist und die Durchsetzungsmechanismen begrenzt sind Selektive Anwendung: Staaten würden Menschenrechte selektiv anwenden oder missbrauchen, um eigene politische Ziele zu verfolgen Abwehr der Kritik an der AEMR: Universalität als Prozess: Universalität der Menschenrechte kein statischer Zustand, sondern ein fortlaufender Prozess der Aushandlung und Herstellung, der kulturelle Kontexte einbeziehen muss Gemeinsame Basis für Menschlichkeit: Menschenrechte bieten eine universelle Basis, die auf der gemeinsamen Würde aller Menschen beruht und als Schutz vor Unterdrückung dient Ergänzung durch Konventionen: AEMR ist durch zahlreiche rechtlich bindende Verträge und Protokolle ergänzt worden, die ihre Umsetzbarkeit stärken Moralische und politische Orientierung: selbst wenn die rechtliche Durchsetzung schwierig ist, bieten Menschenrechte eine wichtige moralische und politische Orientierung für Kritik und Aktivismus Argumente für die Ausrichtung SA an UN-Menschenrechten Professionelle Identität und Legitimation: Ausrichtung an Menschenrechten stärkt die professionelle Identität und die gesellschaftliche Leg. der SA Klare Handlungsprinzipien: Menschenrechte bieten klare ethische und rechtliche Leitlinien für die Praxis, insbesondere bei der Arbeit mit benachteiligten Gruppen Empowerment & Gerechtigkeit: unterstützen Ziele der SA Klienten zu empowern, soziale Ungerechtigkeiten zu bekämpfen und ihre Rechte zu stärken Argumente dagegen: Kritik an der AEMR: die o.g. Kritikpunkte (Universalismus etc.) können auch auf die SA übertragen werden Gefahr der Vereinnahmung: Gefahr, dass Menschenrechte instrumentalisiert oder verkürzt werden, um bestimmte politische oder soziale Agenden zu fördern, ohne die Komplexität sozialer Probleme zu erfassen Unterschiedliche Auslegung: die Interpretation und Anwendung von Menschenrechten kann variieren, was zu Unsicherheiten in der Praxis führen kann Stellen Sie fachlich begründet Ihre Position hierzu dar! => ich befürworte die Fundierung Sozialer Arbeit als Menschenrechtsprofession, weil Menschenrechte einen eigenständigen ethischen und professionellen Orientierungsrahmen bieten, auch wenn diese Position in Deutschland umstritten bleibt. Geschlechterverhältnisse, Soziale Arbeit und Care: Margit Brückner Margit Brückner zentrales Forschungsthema: Gewalt gegen Frauen und Geschlechterverhältnisse in der SA Forschungsgegenstand und Interesse: Soziale Kategorien wie Geschlecht entstehen durch gesellschaftliche Vorstellungen, Regeln und Zuschreibungen Geschlechternormen beeinflussen Sozialisation und Identitätsbildung und prägen soziale Beziehungen sowie Machtverhältnisse Zentrale Erkenntnisse der Geschlechterforschung: Gender als Strukturkategorie: Organisation der Sozialstruktur einer Gesellschaft entlang von Geschlecht Gender als diskursiv hergestelltes Produkt: die binäre Logik der Zweigeschlechtlichkeit wie in gesellschaftlichen Debatten hervorgebracht Gender als lebenslanger Prozess der Subjektivierung: Geschlecht & Ungleichheit hängen zusammen Care: umfasst alle Bereiche weiblich konnotierter, personenbezogener Fürsorge & Pflege intern. Care-Debatte greift grundlegende Fragen der Organisation von Care in privaten & öfftl. Kontexten auf Care Arbeit beschreibt alle Tätigkeiten, bei denen Menschen für andere Sorgen, sie betreuen oder pflegen Gender Care Cap beschreibt die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit zwischen den Geschlechtern Gender Care-Cap: zeigt den Zeitaufwand für unbezahlte Arbeit auf, im Jahr 2022 betrug der durchschnittliche Zeitaufwand für Männer 20:26 Stunden pro Woche und für Frauen 29:18 Stunden bereinigte Gender Care Cap variiert in verschiedenen europäischen Ländern ist in Ländern mit höheren Ausgaben für Langzeitpflege geringer bspw. in Ländern mit geringen Ausgaben, wie Kroatien oder Griechenland Theorie Care und Soziale Arbeit: Care ist historisch stark mit Weiblichkeit verbunden; Frauen übernehmen Großteil der Care Arbeit Care Arbeit wird zunehmend als DL betrachtet, wobei das deutsche Wohlfahrtssytem stark auf familiäre Fürsorge stützt Geschlechterdemokratie als normative Zielvorstellung: Ziel: Herstellung von Geschlechterdemokratie durch Veränderung traditioneller Geschlechtermuster, Abbau männlicher Dominanzstrukturen und eine höhere gesellschaftliche Wertschätzung für Care Arbeit Soziale Räume aneignen und Entwicklung gestalten: Ulrich Deinet und Christian Reutlinger „Spatial Turn“ in den Sozialwissenschaften & Sozialraumorientierung Spatial Turn bezeichnet eine Verschiebung in den Sozialwissenschaften, bei der Raum nicht mehr nur als passive Umgebung, sondern als aktiver sozialer Prozess verstanden wird Entstehung von Räumen: Räume entstehen durch soziale Interaktionen & Aushandlungen Einfluss von Raumordnung: Raumordnungen beeinflussen die Handlungsmöglichkeiten von Menschen Mitgestaltung von Räumen: Menschen können Räume selbst mitgestalten und verändern Fokus: Betonung sozialer Entwicklung und guter Lebensbedingungen Sozialraumarbeit (Deinet & Reutlinger 2014): Deinet & Reutlinger entwickelten eine kritischere Perspektive auf die Sozialraumorientierung. Kritik am Konzept nach Hinte & Keeß: Kritik an starker Orientierung am menschlichen Willen, da dieser durch gesellschaftliche Verhältnisse geprägt sein und soziale Ungleichheit reproduzieren kann Notwendigkeit: stattdessen wird eine emanzipative Pädagogik als notwendig erachtet, um Menschen bei der Entwicklung ihres Willens zu unterstützen Verständnis: Sozialräume werden nicht nur als geografische Orte, sondern als soziale, dynamische & veränderbare Räume betrachtet Analyse: analysiert Machtverhältnisse, soziale Ungleichheit & Raumordnungen Betont: dass Menschen durch gesellschaftliche Bedingungen geprägt werden & päd. Unterstützung benötigen Subjektives Erleben: versteht Sozialräume als flexibel, subjektiv erlebt & nicht an feste Grenzen gebunden Forschungsgegenstand und -interesse (Deinet & Reutlinger) Kern frage: wie sich Menschen in sozialen Räumen entwickeln Deinet: betrachtet besonders die LW und Raumaneignung von Kindern, Jugendlichen & älteren Menschen Reutlinger: Analysiert zusätzlich Macht, Ungleichgewicht und gesellschaftliche Strukturen in Räumen Gemeinsames Interesse: beide fragen, wie SA LW erfassen & passende Angebote entwickeln kann, um Menschen in ihrer Entwicklung durch ihr Umfeld zu unterstützen Ansatz basiert auf einem dynamischen Verständnis von Mensch & Umwelt Erkenntnisgewinn: Menschen gewinnen Erkenntnisse über sich und ihre Umwelt durch Erfahrungen in Räumen Wechselwirkung: Räume beeinflussen Menschen, gleichzeitig gestalten Menschen Räume Sozialräume werden als subjektiv erlebte LW verstanden Theorie: Der Sozialraum: Sozialraum wird als relationales Modell verstanden, das durch Menschen und ihre Beziehungen gestaltet wird. Relationales Modell: kein fester Ort, sondern durch Menschen & ihre Bzh gestaltet Wechselwirkung: Räume beeinflussen Menschen, können aber auch von ihnen verändert werden relevante Räume: wichtig sind lokale LW wie Nachbarschaft, aber auch virtuelle Deinet & Reutlinger verstehen Raum als Verbindung von materiellen Bedingungen & subjektivem Erleben Bestandteile: Objektive Faktoren: Wohnsituation, Infrastruktur, Bildung Subjektive Faktoren: Erfahrungen, Bedeutungen, Lebenswelten Theorie: Sozialraumorientierung: zielt darauf ab, Ressourcen im Umfeld von Menschen zu nutzen und soziale Netzwerke zu stärken Ziele: Angebote der SA stärker an den LW der Menschen ausrichten Kleinräumige Unterstützungssysteme und Bindungsstrukturen (re-)aktivieren & soziale Netzwerke mobilisieren etc. Notwendigkeit: reflexive räumliche Haltung Weiterentwicklung: der Gemeinwesenarbeit (GWA) Theorie: Raumaneignung: Kern beschreibt die eigenständige Auseinandersetzung des Menschen mit seiner Umwelt Formen: (Kreative) Gestaltung von Räumen etc. Verortung im öfftl. Raum (Nischen, Ecken, Bühnen), Institutionen Kompetenzerweiterung: Erweiterung motorischer, gegenständlicher, kreativer & medialer Kompetenz Erweiterung des Handlungsraumes: neue Möglichkeiten in neuen Räumen Theorie: Sozialraumanalysen: Grundlage für sozialräumliche Konzepte in der SA Zweck: dienen z.B. der Problem- und Ressourcenanalyse, Praxisforschung etc. Untersuchung: subjektive Sichtweisen & objektive Strukturen eines Sozialraums Anwendbarkeit: mit allen Zielgruppen möglich Methoden: aktivierende Beteiligungsmethoden, bei denen Adressaten als Experten ihrer LW einbezogen werden Bsp: Beobachtungen, Befragungen, Landkarten etc. Theorie: Sozialraumarbeit: befasst sich mit der Gestaltung sozialpädagogischer Arbeit mit Adressaten Aufgabenbereiche: Zusammenarbeit bei Begleitung von Aneignungsprozessen, Prozessen der Bildung, der LWO etc. Gestaltung von Strukturen Gestaltung von Orten Planung & Gestaltung von Stadt-, Verkehrs-, Bildungs-, und Sozialpolitik Bedeutung für SA: Forderung: Deinet & Reutlinger fordern eine aktive Soziale Arbeit, die gute Lebensbedingungen schafft, bevor Probleme entstehen Kritische Reflexion: die reflexive räumliche Perspektive hilft, Macht, Zuschreibungen und Aufträge kritisch zu hinterfragen Ausrichtung: Aktivierung und Partizipation sollen an den Interessen der Menschen ausgerichtet werden Nutzen Sozialraumanalysen: eigenen sich gut für Forschung, Praxis und Konzeptentwicklung Diversitätsbewusste und rassismuskritische Soziale Arbeit: Rudolf Leiprecht und Paul Mecheril Entwicklung sozialwissenschaftlicher Ansätze: Verbindung: Kritik an Rassismus wird mit Kritik an geschlechter- und klassenbezogenen Machtverhältnissen verbunden DE als „superdiverses“ Land: durch Zuwanderung hat sich die Gesellschaft stark verändert Neue „Zweiteilung“ in der Akzeptanz von Vielfalt: Vielfaltsskeptiker: Lehnen Vielfalt stark ab 30,5% Protektionisten: Lehen Vielfalt eher ab 20,5% Kosmopoliten: Befürworten Vielfalt stark 49% Forschungsgegenstand- und Interesse: Zielsetzung: Menschen in belastenden & prekären Lebenslagen gerecht werden Mehr soziale Gerechtigkeit gemeinsam mit den betroffenen Menschen erreichen Ursachen von Ausgrenzung & Unterdrückung: Entstehung binnen gesellschaftlicher Machtverhältnisse Machtverhältnisse bilden sich entlang sozial konstruierter Unterschiede Wichtige Reflexionspunkte: Soziale Differenzlinien Macht- und Ungleichverhältnisse umfassender & relationaler Blick statt einzelne Merkmale isolieren etc. Veränderung sozialer Verhältnisse: Ziel der diversitätsbewussten und rassismuskritischen SA: Veränderung illegitimer Bedingungen Handlungen, Institutionen, Diskurse & Strukturen sollen kritisch hinterfragt werden aus individuellen Praxen soll kollektives Handeln entstehen, um gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen Unterdrückung & Heterogenität binnen der „eignen Reihen“ sollen wahrgenommen werden, ohne eigene Handlungsfähigkeit zu verlieren Wissenschaftsverständnis: Leiprecht & Mecheril orientieren sich an der Kritischen Theorie Ziel: Sichtbarmachung von Macht- und Ungleichverhältnissen Diskriminierung wird als zentrale Form der Unterdrückung betrachtet SA soll gesellschaftliche Konstruktionen & Herrschaftsverhältnisse kritisch hinterfragen Diversitätsbewusste SA: Antidiskriminierung und Rassismuskritik Diversität Intersektionalität Subjektorientierung Antidiskriminierung: wird als Rassismuskritik verstanden Rassismus gilt als gesellschaftliche Herrschafts- und Machtform „Rasse“ wird als soziale Konstruktion betrachtet Rassismuskritik hinterfragt Institutionen, Diskurse & Ungleichheiten Ziel: gesellschaftliche Veränderungen, offene & hybride Zugehörigkeiten (stellen Vorstellungen homogener Kulturen in Frage) Diversität: Vielfalt wird als gesellschaftliche Normalität & Ressource verstanden Kulturbegirff wird kritisiert, da oft stereotypische Zuschreibung Mechanismen wie Stereotypisierung, Ausgrenzung sollen sichtbar gemacht werden Dichotome Vorstellungen von „wir“ und „die anderen“ sollen überwunden werden Intersektionalität: untersucht Zusammenspiel verschiedener Differenzlinien (Ethnie, Geschlecht, Sexualität) Ziel: Analyse von Macht-, Herrschafts- und Diskriminierungsverhältnissen Diskriminierung entsteht meist durch Zusammenwirken mehrerer Differenzlinien Intersektionalitätsanalysen machen Überschneidungen sichtbar & hinterfragen vereinfachende Vorstellungen sozialer Gruppen Subjektorientierung: Verbindung von Diversität mit einer subjektorientierten Perspektive Subjektentwicklung entsteht im Zusammenhang mit sozialen, historischen & gesellschaftlichen Bedingungen subjektive Möglichkeitsraum beeinflusst Denken, Fühlen, Handeln Möglichkeitsraum wird durch Zuschreibung (Geschlecht, Klasse) geprägt Menschen sind trotz gesellschaftlicher Prägung handlungsfähig Diversitätsbewusste SA: SA soll Möglichkeitsräume durch Anerkennung, Reflexion & solidarische Unterstützung in der Migrationsgesellschaft erweitern kritisiert Ausgrenzung, Schubladendenken und stereotype Zuschreibungen Setzt auf Antidiskriminierung, Anerkennung von Vielfalt & Nutzung von Differenzen als Ressource Bedeutung für SA: unterstützt SA in einer pluralen Migrationsgesellschaft entwickelt Macht- und Herrschaftskritische Konzepte weiter & bezieht aktu. Diskriminierungsformen ein Diversity-Kompetent wird häufig in Stellenausschreibungen gefordert Inwieweit bildet die Konzeptionierung der „Migrationspädagogik“ gesellschaftliche Wirklichkeiten ab? -> Migrationspädagogik bildet gesellschaftliche Wirklichkeiten ab, wie sie DE als Migrationsgesellschaft versteht & zeigt, dass Migration, Vielfalt und Ausschlüsse normale gesellschaftliche Verhältnisse sind. Sie macht deutlich, dass Rassismus und Ausgrenzung strukturell sind und nicht nur Einzelfälle. Was kann gegen die „neue Zweiteilung“ getan werden? -> Anerkennung & Teilhabe fördern; Vorurteile, Schubladendenken und stereotype Zuschreibungen abbauen, Akzeptanz von Vielfalt stärken