Themen 4.2 Soziale Beziehungen: Soziale Gruppe, Netzwerk, Organisation Was sind soziale Beziehungen?: Kernstück der Soziologie Definition Max Weber: soziale Beziehung als ein aufeinander bezogenes und sinnhaft orientiertes Sichverhalten mehrerer Personen. Es geht um Verhalten mehrerer Personen zueinander, das einen Sinngehalt hat. Soziale Handlungen sind sinnhaft, wenn sich die Handelnden aufeinander beziehen. Emergenz in sozialen Beziehungen: Soziale Beziehungen erscheinen als eine eigenständige Form von Wirklichkeit und können soziale Tatbestände hervorbringen (bspw. Geburtenraten; Armutsquote), die nicht direkt aus den Absichten und Motiven der beteiligten Personen abgeleitet werden können. = Emergenz = Unbestimmtheit von Situationen Beispiele Emergenz: Geburtenrate: kein einzelnes Paar plant die Geburtenrate einer Gesellschaft. Hausbau: die Bestandteile eines Hauses (Stein, Holz) erklären nicht die Wohnfunktion. Diese ergibt sich aus der Art und Weise, wie die Bestandteile zusammengefügt werden, also aus der Struktur und den Räumlichkeiten, die durch den Bauprozess entstehen Soziale Beziehungen entwickeln eine Dynamik, die durch die Konstellation der Situation selbst bedingt ist. Analyse Sozialer Beziehungen durch verschiedener Perspektiven: Handlungstheorien: Fokus liegt auf handelnden Akteur betrachtet Menschen und ihre Handlungen, um die daraus resultierenden Effekte zu verstehen SA Sicht hilfreich weil: helfen zu verstehen, wann welcher Hilfebedarf vorliegt und welche Mittel geeignet sind Systemtheorie: Fokus auf sozialen Strukturen und Systemen betrachtet die Gesellschaft und ihre Strukturen von außen & analysiert, wie diese das Handeln der Menschen beeinflussen SA Sicht hilfreich weil: zeigen, dass Hilfebedarf und Hilfequalität von gesellschaftlichen und institutionellen Bedingungen abhängen – nicht nur vom guten Willen Formen Sozialer Beziehungen: Gruppen: Def: Eine Gruppe aus mehr als 2 Personen mit gemeinsamen Interessen Merkmale: gemeinsame Werte und Normen, Eigene Dynamik und Ordnung, Gruppendruck beeinflusst Verhalten des Einzelnen; Funktionen & Rollen binnen der Gruppe Gruppengrößen: (Notwendigkeit der Gruppenbegrenzung bei zu hohem Kommunikationsbedarf kleine Gruppen: direkter Kontakt, 7-25 Personen Große Gruppen: Formeller, organisatorischer Charakter (z.B. Vereine) Gruppenarten: Primär: enge, persönliche, kontinuierliche Beziehungen; eher eine kleine Zahl von Personen; Bsp. Familie, Freundeskreis Sekundär: weniger intensiv, eher unpersönlich; stärker zweck- und zielorientiert; Bsp. Arbeitsgruppen Formelle VS Informelle Gruppen: Formell: klare Regeln und Strukturen, eher größere Gruppen; Informell: entstehen spontan; beruhen auf emotionaler Verbundenheit; oft persönlicher & emotionaler; wichtige Funktionen binnen formeller Gruppen wie Motivation fördern und Rivalität erzeugen „Wir-Gefühl“: Ein starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit ist zentral Insgesamt Zweck: Zugehörigkeit + gemeinsame Ziele Soziale Netzwerke: Def: regelm. Beziehungsgeflecht zwischen Personen oder sozialen Gebilden; Netzwerke werden nach Struktur und Stellung einzelner Einheiten analysiert Merkmale: nicht unbedingt starkes „Wir-Gefühl“; eher Fokus auf: wer mit wem verbunden ist, wie viele Kontakte bestehen, wie eng oder locker die Beziehungen sind Wichtige Analysebegriffe: Individuelle Ebene (Integration): Zahl, Häufigkeit & Gegenseitigkeit von Kontakten Strukturelle Ebene (Netzwerkstruktur): Größe: Anzahl der Beteiligten Dichte: Anzahl der Beziehungen Zentralität: Wer steht im Mittelpunkt Analyse hilft, soziale Lage der Adressaten besser zu verstehen Nutzen: Ausgleich fehlenden Sozialkapitals; Verbesserung & Neuanbahnung von Beziehungen; Stärkung sozialer Kompetenz Insgesamt Zweck: Unterstützung, Austausch, Ressourcen Organisationen Def: sind eine Ordnung, die sich Menschen selbst geben, um Ziele gemeinsam zu verwirklichen; sie sind größer als Kleingruppen; auch „große soziale Gruppe“ genannt Merkmale: Ziel- und Zwecksetzung; personenunabhängige Regelung von Aufgaben; Kontroll- und Entscheidungsstrukturen; hierarchische Strukturen; schriftliche Dokumentation (Antrag); Arbeitsteilung Bürokratiemodell nach Max Weber: klare Zielsetzung, Arbeitsteilung Regelungen von Zuständigkeiten, Vergütung Verfahrensregeln und Verhaltensnormen Hierarchische Kontrolle & Entscheidungen Schriftliche Dok. von Vorschriften, Abläufen, Anträgen Formelle & Informelle Ebene: Formell: Regeln & Vorgaben Informell: Beziehungen und Emotionen der Individuen Besonderheit: Obwohl Organisationen formell sind, können darin informelle Gruppen entstehen, z.B. wegen des Bedürfnisses nach emotionaler Nähe Insgesamt Zweck: gemeinsame Ziele planmäßig erreichen Soziale Beziehungen: Gesellschaft Gesellschaft = Gesamtheit aller sozialen Beziehungen besteht aus Interaktionen, Gruppen, Netzwerken und Organisationen miteinander verknüpft & Teil einer größeren sozialen Struktur Moderne Gesellschaften seit Industrialisierung & Aufklärung Entstehung demokratischer Rechts- und Sozialstaaten mit Verfassungen Kennzeichnen: Differenzierung, Beschleunigung, Pluralisierung, Individualisierung, Flexibilität, Freiheit & Mobilität Soziale Beziehungen: Familie Vorstellung von Familie hat sich im Laufe der Geschichte stark verändert Antike Familie: Def: Eine Lebens- und Rechtsform, die mehrere Generationen umfasste Zentrum: Das Haus, mit dem (Hausvater) Pater familias als absolutem Oberhaupt Umfang: beinhaltet auch Sklaven und Bedienstete Mittelalterliche Familie („Ganzes Haus“): Struktur: mehrere Generationen, oft auch Geschwister mit Ehepartnern Zentrum: Das Anwesen (Hof) Umfang: neben der Kernfamilie lebten hier auch Gesinde, Altenteiler und Insten (Arbeitskräfte) Bürgerliche Familie: Entstehung: aus dem Kaufmanns- und Bildungsbürgertum in der Vormoderne Fokus: die Kernfamilie (Eltern + Kinder) rückte ins Zentrum Bedeutung von Gesinde: Verlor an Bedeutung strikte Rollenverteilung: Mann: Einkommen, Öffentlichkeit Frau: Haushalt, Kindererziehung Private Häuslichkeit Gesellschaftliche Norm Kernfamilie (traditionelle Familie): Entstehung: mit Industrialisierung Struktur: besteht nur aus Eltern und Kindern Rechtliche Stellung: beide Ehepartner rechtsfähig aber zunächst ungleichberechtigt Heute: mehr Geleichberechtigung; Mütter und Väter teilen Erwerbs- und Care-Arbeit Dennoch: bestehen wirkmächtige Rollenbilder -> Gender Care-Cap, Gender Pay-Cap Kinderzahl: Rückgang von 2-3 Kindern (vor 50 Jahren) auf ca. 1,4 heute Vorteile: gute rechtliche Absicherung (Sorgerecht, Unterhalt) Verbreitung: trotz Scheidungen beliebt die traditionelle Familie weit verbreitet und beliebt feste Rollenbilder (bspw. Ernährer-Mann-Modell) Lebensformen in Deutschland (2023) Beispiele: Ehepaare mit Kindern 36% Ehepaare ohne Kinder 23% Alleinerziehende 9% Lebensgemeinschaften mit Kindern 5% Trend zur Pluralisierung von Lebensformen: Trend: Auflösung der klassischen Kernfamilie, Pluralismus der Lebensformen Neue Familienformen Beispiele: Einelternfamilien Stieffamilien gleichgeschlechtliche Partnerschaften Regenbogenfamilien Adoptivfamilie Gesellschaftliche Entwicklungen: gestiegene gesellschaftliche Akzeptanz neuer Familienformen mehr Freiheit & Vielfalt individueller Lebensentwürfe Folgen: spätere Heirat, mehr Scheidungen, weniger Kinder, mehr nichteheliche Geburten, mehr Singles Familie in der Soziologie: Soziologie hat kein einheitliches Verständnis von „Familie“ verschiedene Def: Familie als Institution, Gruppe, Netzwerk oder System Verschiedene Sichtweisen und Interessen sind abhängig von der Perspektive Kriterien: Beziehung zwischen Mann & Frau; Zusammenleben mit Kindern; gemeinsame Haushaltsführung unterschiedliche Kriterien führen zu unterschiedlichen Einschlüssen/Ausschlüssen nur Mann & Frau: schließt Alleinerziehende, unverheiratete Paare, gleichgeschlechtliche Paare, aus. Nur Zusammenleben mit Kindern -> Kinderlose Paare ausgeschlossen Systematisierung nach Nave-Herz (2013): Familien lassen sich nach verschiedenen Kriterien systematisieren: Familienbildungsprozess: Biologische und/oder soziale Elternschaft Form der Personensorge (Pflege/Adoption) Zahl der Genrationen: zwei oder Mehrgenerationen Rollenbesetzung: Ein-, Zwei-, oder Mehrelternfamilie Monogamie/Polygamie Wohnsitzformen: (BILOKALE FAMILIE- Familienform die über Wohnsitzort beschrieben wird) Matri-, Patri-, bi- oder multilokale Familien transnationale Familien Erwerbstätigkeit der Eltern: Ernährermann-Modell Hinzuverdienermodell Adult-Worker-Modell Sozialisation und Identität Sozialisation & Identität: obwohl Sozialisation & Identität sehr individuell wirken, sind sie soziologisch relevant, da sie durch gesellschaftliche Prozesse geprägt werden Individuelle Bewusstsein wird nicht psychologisch oder genetisch erklärt sondern sozial Mensch wird als „Gesellschafter“ verstanden – stark geprägt durch seine soziale Umwelt Sozialisation: Sozialisation = Prozess, in dem individuelle Eigenschaften, Fähigkeiten, Interessen & Identität durch soziale Einflüsse geprägt werden Sozialisation, ist der Prozess, durch den Menschen lernen: in einer Gesellschaft handlungsfähig zu werden Normen, Werte und Rollen zu übernehmen zu einer eigenständigen Persönlichkeiten zu werden (Identität) Prozess geschieht durch Interaktionen mit Familie, Schule, Peers, Medien usw. Sozialisation ist der Weg, wie ein Individuum „sozial“ wird dynamischer Prozess wechselseitiger Beeinflussung zwischen Individuum und Gesellschaft Soziologische Sozialisationstheorien: = Zusammenhang zwischen Gesellschaftsstruktur & Persönlichkeitsentwicklung Emil Durkheim: Erster, der den Begriff „Sozialisation“ verwendete Def: „Einwirkungen der Erwachsenengeneration auf die noch nicht Reifen“ Ziel: Vermittlung von gesellschaftlichen Werten, Normen, Handlungsmustern -> werden dann zu individuellen Gewohnheiten Wer sozialisiert wen? Erste Sozialisationsinstanz außerbahlb der Familie = Peer Group Peer Group: fördert Entwicklung sozialer, kognitiver & emotionaler Kompetenzen besonders im Alter von 6-12 Jahren werden durch Massenmedien beeinflusst Massenmedien: prägen, das Denken, die Kommunikation und Beziehungen wirken langfristig auf Kommunikationsformen, Denkstrukturen & soziale Beziehungen Medien sozialisieren Menschen indem sie Wahrnehmung, Wissen & Verhalten beeinflussen Bps. Social Media; SMS, E-Mail positive Folgen wie Lernmöglichkeiten und Wissensvermittlung negative Folgen: Verdrängung anderer sozialer Erfahrungen Selbst-Sozialisation nach Herbert Mead Wechselwirkung aus Individuum & Gesellschaft Eigenanteil des Individuum an seiner gesellschaftlichen Einbindung (Selbstwirksamkeit, Selbstkultivierung, Selbstermächtigung) Sozialisation in der „ersten Moderne“ Vs. in der „zweiten Moderne“: In der „ersten Moderne“: Typische lineare Lebensläufe: Kindheit -> herku -> Erwachsenenalter. -> Alter Orientierung an Bildung, Erwerbsarbeit, Familie „Gelungene“ Sozialisationsprozesse = normkonformes Verhalten Abweichung = Devianz, „abweichende Sozialisation“ Dualismus: Normalität Vs. Abweichung Wandel in der „zweiten Moderne“: Grenzen zwischen Lebensphasen verschwimmen („Entgrenzungsdynamiken“) Lebensläufe zunehmend von Brüchen, Umwegen und flexiblen Identitäten geprägt Identität nicht mehr als stabil anzusehen, sondern wird als zeitlich begrenzt und wandelbar verstanden Betonung auf biografischer Handlungsfähigkeit statt fester Identität Identität: Entstehung: primär in Interaktionen mit anderen Menschen und binnen spez. sozialer Kontexte Umfasst Vorstellungen eine Person von sich selbst + Zuschreibungen die andere ihm machen Identität = soziales Konstrukt, das sich im Laufe des Lebens wandelt; Lebenslanger dynamischer Prozess zwischen Individuum & Gesellschaft 2 Hauptdimensionen: personaler Identität: wie sieht sich eine Person selbst („Wer bin ich?“) sozialer Identität: wie sehen mich andere? wie werden ich definiert (Geschlecht, Beruf, Ethnie) Soziologie von Altersphasen: Kindheit und Jugend Kindheit als eigenständige Lebensphase: Historische Entwicklung bis ins 17. Jhd. wurden Kinder als „kleine Erwachsene“ betrachtet Aufklärung brachte Idee, dass Kinder sich zu vollwertigen Gesellschaftsmitgliedern entwickeln müssen Entwicklungszeit wird als „Moratorium“ verstanden 3 zentrale Faktoren zur Entstehung der eigenständigen Kindheit: Industrialisierung: veränderte Arbeits- und Lebensbedingungen schufen Raum für eine eigene Lebensphase Institutionalisierung von Bildung & Erziehung: Etablierung von Schulen & Erziehungseinrichtungen betonte Notwendigkeit einer spez. Vorbereitung auf das Erwachsenenleben Institutionalisierung des Lebenslaufs: die klare Trennung und Strukturierung verschiedener Lebensabschnitte (Kindheit, Jugend, Erwachsenenalter) wurde gefördert Primäre & weitere Sozialisationsinstanzen: Primäre: Familie; Kinder lernen grundlegende Werte & Normen Weitere: Kindergarte, Peer-Group, Schule -> ebenfalls prägend 3 zentrale Aspekte -> Neuere Perspektiven der Kindheitsforschung: Kindheit als soziale Lage: Betrachtung der materiellen & sozialen Umstände, unter denen Kinder leben Kinder als soziale Akteure: Anerkennung der Fähigkeit von Kindern, aktiv ihre LW zu gestalten & eigene Entscheidungen zu treffen Kindheit als soziale Konstruktion: Verstehen, dass das Konzept von Kindheit und die damit verbundenen Erwartungen gesellschaftlich und kulturell geformt werden Jugend als eigenständige Lebensphase: Entstehung: Produkt moderner Gesellschaften Anfangs ein Privileg, hauptsächlich für die (männliche) Oberschicht wird als „psychosoziales Moratorium“ verstanden, eine Zeit des Ausprobierens & Identitätsfindung Kennzeichnende Merkmale der Jugend: Starke Veränderungen: Jugendliche erleben intensive körperliche, psychische & soziale Veränderungen Neue Anforderungen: Konfrontation mit neunen Anforderungen in Schule, Beruf, Politik, Kultur Identitätsbildung: Zentral ist der Aufbau einer eigenen Welt- und Selbstdeutung Jugend als Mischung aus Krisen & Chancen: Ausprobieren & Grenzüberschreitung: Eine Zeit, in der Risiken eingegangen und Grenzen ausgetestet werden können Sinnsuche: Suche nach Bedeutung & Orientierung im Leben Neudefinition persönlicher Beziehungen: Auseinandersetzung und Neugestaltung von familiären & freundschaftlichen Beziehungen Entwicklungsaufgaben im Jugendalter nach Bendel 1. Ablösung von der Herkunftsfamilie - Jugendliche lösen sich schrittweise von ihrer Familie. Beziehungen zu Gleichaltrigen werden wichtiger, also eine „Intensivierung der Peerbeziehungen“ 2. Aufbau intimer Beziehungen - Jugendliche beginnen, intime Beziehungen einzugehen, etwa Partnerschaften. 3. Vorbereitung auf die Berufsrolle - Orientierung auf die spätere Erwerbsarbeit. Dazu gehört das Abschließen der Schule sowie der Übergang in Ausbildung oder Studium 4. Erwerb der Staatsbürgerrolle - aktives & passives Wahlrecht, volle Geschäftsfähigkeit, Strafmündigkeit 5. Soziale Teilhabe - bürgerschaftliches Engagement in Vereinen, Verbänden etc. 6. Ausbildung eines eigenen Lebensstils - Entwicklung eines individuellen Geschmacks & individueller Konsumgewohnheiten Gleichzeitigkeit & Inkonsistenz: Jugendliche befinden sich oft in einem Zustand der Gleichzeitigkeit und Inkonsistenz. Sie sind „noch Kind“ und „schon erwachsen“ zugleich Übergang ins Erwachsenenalter dauert länger & ist als eigene Phase mit speziellen Lebensumständen klar erkennbar Soziologie von Altersphasen: Alter Alter Allgemeines: soziologischer Begriff regelt Zugang zu Rollen & Handlungsoptionen feste chronologische Altersgrenzen als gesellschaftliches Ordnungssystem in modernen Gesellschaften Altersgrenzen werden auch durch Sitten & Konventionen beeinflusst Altersrollen bestimmen sozialen Status einer Person Dimensionen des Alters: Kalendarisches/chronologisches Alter: gibt Zeit seit Geburt an relevant für rechtliche Grenzen wie Schulalter, Wahlrecht, Renteneintritt Gesetzliche Altersgrenze: Statistisch Menschen ab 60 „alt“ junges Alter 60-75; Hochaltrigkeit ab 80 traditionell Rentenbeginn ab 65 Biologisches Alter: Bezug auf körperliche Veränderungen & den psychologisches Zustand des Körpers Psychologisches Alter: fokussiert auf Anpassungsfähigkeit & Persönlichkeitsentwicklung Alter wird nicht nur als Abbau, sondern auch als Chance für Entwicklung gesehen Soziologisches Alter: Kombi aus kalendarischen, biologischen und psychischen Faktoren sowie gesellschaftlichen Erwartungen & Rollen differenzielles Alter = es gibt große Unterschiede im Alterungsprozess zwischen & innerhalb von Individuen Demografischer Wandel: beschreibt die Veränderung der Bevölkerungsstruktur Aktuelle Situationen in hochentwickelten Staaten: Mehrheit der Menschen erreichen hohes Alter & auch das sehr hohe Alter (80+) wird häufiger DE gehört zu den Ländern mit dem höchsten Durchschnittsalter & höchste Anteil älterer Menschen Prognose & Auswirkungen: Wandel wird weiter voranschreiten & erhebliche gesellschaftliche sowie wirtschaftliche Umstrukturierungen notwendig machen Mangel an umfassender öfftl. Auseinandersetzung mit den Konsequenzen einer stark alternden Gesellschaft Forderung einer neuen „Kultur des Alters“ + strategische Anpassungen in der Renten-, Pflege-, Gesundheits- und Arbeitsmarktpolitik Altersbilder: Vorstellungen & Einstellungen, die eine Gesellschaft ggü. älteren Menschen hat Frühere Sichtweisen: Altersdiskriminierung war & ist ein Problem auf dem Arbeitsmarkt häufig negative Sicht auf Bevölkerungsalterung -> Bezeichnung oft „Überalterung“ Heutige Sichtweisen: Entwicklung differenzierter Altersbilder Chancen, Potenziale & Heterogenität des Alters werden stärker betont Kulturelle Unterschiede Unterteilung der Altersphase: Drittes Alter: oft junge oder aktive Phase des Alters (ca. 60-75/80 Jahre) Viertes Alter: Hochaltrigkeit, die stärker von Krankheit & Pflegebedürftigkeit geprägt ist Altersstrukturwandel zentrale Trends (seit 1990ern): Verberuflichung: Trend der Frühverrentung hat sich in den 00ern umgekehrt. In vielen Ländern, auch DE wird Rentenalter erhöht (schrittweise Anhebung auf 67 Jahre) Feminisierung: längere Lebenserwartung Frauen = es gibt mehr Frauen um höheren Alter Singularisierung: viele ältere Frauen leben allein (Partnerschaftssterblichkeit) Zunahme der Hochaltrigkeit: mehr Menschen erreichen 80+ Jahre Soziologische Perspektiven auf das Altern: Disengagement-Theorie Rückzug aus Rollen und Funktionen im Alter seinen natürlich, unvermeidlich und sozial Rückzug würde zur Zufriedenheit führen und der Gesellschaft nützen Empirische Widerlegung: kein nachweisbarer Zusammenhang zwischen Rückzug & Zufriedenheit Individuelle Biografie, Persönlichkeit & Umwelt bestimmen Aktivität im Alter Kritik: unterstützt negatives Altersbild & gesellschaftl. Ausgrenzung Aktivitätsthese: These sagt aus, dass hohe Aktivität zur hohen Lebenszufriedenheit führt Rückzug als Ursache für Probleme & Krisen im Alter gesehen Kritik: starker sozialer Druck zur Aktivität unrealistisch, v.a. im hohen Alter Kontinuitätsthese: Ablehnung starrer Aktivitäts- oder Rückzugsnormen Zufriedenheit entsteht durch Beibehaltung vertrauter Lebensmuster Kontinuität stabilisiert Selbstwertgefühl Berliner Altersstudie (BASE I und II) Fokus 70–100-Jährige Vier Grundannahmen: differentielles Altern Kontinuität/Diskontinuität Kapazitätsreserven Altern als systemisches Problem Soziale Ungleichheit und soziale Schichtung Phänomen & Begriff sozialer Ungleichheit: komplexes Phänomen, das in allen Gesellschaften & zu allen Zeiten existiert (Sklaven vs. freie Bürger; Armut vs. Reichtum) Begriff entstand während Aufklärung Soziale Ungleichheit = zufällige, individuelle o. natürliche Unterschiede Soziale Ungleichheit = Unterschiede in den Lebensbedingungen, die Menschen aufgrund ihrer gesellschaftlichen Position haben. Diese sind strukturell bedingt & führen zu Vor- und Nachteilen Voraussetzungen für soziale Ungleichheit: Soziale Ungleichheit liegt vor, wenn Lebensbedingungen, wertvoll sind: sind gesellschaftlich knapp & begehrt, z.B. Einkommen, Bildung ungleich verteilt sind: nicht alle erhalten gleiche Mengen o. gleichen Zugang Systematisch verteilt sind: Verurteilung abhängig von gesellschaftlichen Strukturen & nicht zufällig Beispiele Ungleichheiten die sich gar nicht oder schwer ändern lassen: Soziale Herkunft Geschlechtliche Zuschreibungen Ethnische bzw. kulturelle Zuschreibungen spezifische Erwerbspositionen Modell „4 Layers of Diversity“ nach Gardenswartz & Rowe unterscheidet verschiedene Dimensionen von Vielfalt, die auch für das Verständnis sozialer Ungleichheit relevant sind Beispiele der Kerndimensionen von Diversity (Innere Dimensionen): Alter Geschlecht Soziale Herkunft Sexuelle Orientierung Religion Beispiele Äußere Dimensionen: Einkommen Persönlichkeit Familienstand Beispiele Organisationale Dimensionen: Management/Status Abteilung, Gruppe Soziale Positionen & Soziale Lagen Soziale Positionen: Positionen entstehen durch gesellschaftliche Arbeitsteilung & Entstehung von National- und Sozialstaaten Positionen, die Personen einnehmen: im Erwerbssystem im Haushaltszusammenhang in sozialstaatlichen Institutionen Soziale Lage: = Gesamtheit der Lebensbedingungen, die einem Menschen aufgrund verschiedener sozialer Positionen zukommen ergibt sich aus der Kombi mehrerer Faktoren wie: Einkommen, Bildung, Beruf Temporale Kumulierung: Lebensbedingungen entstehen über den Lebensverlauf durch angesammelte Vor- oder Nachteile Soziale Kumulierung: Lebensbedingungen entstehen binnen von Haushalten durch gemeinsames Wirtschaften & Teilen von Ressourcen Klassengesellschaft vs. Schichtgesellschaft: Klassengesellschaft stark gespaltene Gesellschaft Schichtgesellschaft sozial abgestufte Gesellschaft mit fließenden Übergängen (z.B. arm – reich) Ungleichheit zeigt sich in graduell verteilten Gütern (Einkommen, Bildung, Prestige) Unterschied Milieu „neue soziale Ungleichheit“ -> neue Dimensionen Merkmale von Schichten (Alte Dimensionen) Bildung Erwerbstätigkeit Einkommen Schichtungsstruktur industrieller Gesellschaften vertikale Struktur Eliten obere Dienstklasse mittlere Dienstklasse gelernte DL; Facharbeiter un-/angelernte DL; un-/angelernte Arbeiter Unterschicht Ungleichheitsgefüge postindustrieller Gesellschaften: neue Dimensionen: Freizeit-, Arbeits-, Gesundheits-, Wohnbedingungen, Gender Abnehmende Dominanz der vertikalen Schichtung, stattdessen: Lebenslagen oder Milieus (Zunahme horizontaler Schichtung) Milieus Horizontal Grundorientierung: Tradition, Modernisierung, Neuorientierung Beispiele Milieus: postmaterielles Milieu (Oberschicht/Obere Mittelschicht) Traditionelles Milieu (Mittlere Mittelschicht) Prekäres Milieu (Untere Mittelschicht/Unterschicht) Pierre Bourdieu Untersuchung zum Zusammenhang von sozialen Klassen und Lebensstilen Analytisches Instrumentarium: Kapital, Habitus, sozialer Raum, soziale Klasse, Lebensstil Sicht auf Gesellschaft: herrschende Klasse: will sich abheben durch Prestige; charakterisiert durch Distinktion mittlere Klasse: eifert dem Ideal der herrschenden Klasse nach – versuchen so zu sein wie die; charakterisiert durch Prätention Volksklasse: kein Interesse am Aufstieg; charakterisiert durch Notwendigkeit Sozialer Raum: mehrdimensionales theoretisches Modell stellt interpretierte soziale Realität dar zeigt, wie soziale Akteure und Gruppen zu einem sozialen Gefüge formieren setzt sich aus 2 Teilräumen zusammen: Raum der sozialen Positionen: Akteure werden anhand ihres Kapitalbesitzes verortet theoretische soziale Klassen („auf dem Papier“) o.g. 3 Klassen Raum der Lebensstile: beschreibt, „wie man sich verhält“, welche Musik man mag, welche Einstellungen man hat und wie man „drauf ist“ bildet verschiedene Formen der Lebensführung ab umfasst Handlungen, Präferenzen, Einstellungen, Bildungsentscheidungen & Konsum Praktiken sind sozial klassifiziert (als legitim bewertet) Praktiken besitzen soziale Distinktionsfunktion (dienen der Abgrenzung zwischen sozialen Gruppen) ggüstellung der o.g. Klassen: Legitimer Geschmack Mittlerer Geschmack Populärer Geschmack Soziale Felder: Merkmale: jedes Feld hat eigene Charakteristika, Regeln, Bedeutungen & Wertigkeiten („Mikrokosmen mit eigenen Gesetzen“) Funktionsweise sozialer Felder: Akteure treten aufgrund gemeinsamer Interessen in Beziehung konkurrieren nach geteilten Spielregeln um Status, Prestige und Einfluss Position der Akteure in einzelnen Feldern bestimmt ihre Stellung in gesellschaftlichen Gesamtgefüge (im sozialen Raum) Kapital: verschiedene Kapitalsorten spielen Rolle für Erfolg und Position Soziale Lage erklärt, wie viel Kapital man hat 4 Kapitalsorten des Habitus (Bourdieu) Ökonomisches Kapital: bezieht sich auf materiellen Besitz Kulturelles Kapital: umfasst Kenntnisse, Fähigkeiten (ich weiß dass man bei Begrüßung Hallo sagt, aber jemand anderes kennt die Kultur vll nicht) Soziales Kapital: umfasst das soziale Netzwerk, Freunde & Familie, durch welche man Einfluss und Macht erhält Symbolisches Kapital: Repräsentiert Wertschätzung & Prestige. Materiell oder Immaterielle Form. Bsp. Bildungsabschlüsse, Titel, Zeugnisse – möchte zeigen wieviel Wissen ich habe; kann auch inszeniert werden bspw. viele Bücher im Regal dass es Leute sehen aber hab nicht alle gelesen. Je mehr Dimensionen ich besitze, desto mächtiger bin ich. Man muss nicht all besitzen Habitus: Grundhaltung, mit der eine Person der Welt gegenübersteht, welche Grundannahmen sie vertritt, welchen Geschmack sie hat, wie ihre Mimik und Gestik ist & wie sie sich nach außen verhält. Ergebnis von Sozialisation & Ausstattung mit sozialem Kapital Wichtige Aspekte: Habitus unterscheidet sich je nach Position im sozialen Raum sagt etwas über Sozialisation aus, die eine Person im sozialen Raum durchlaufen ist Selbst wenn sich Stellung im sozialen Raum verändert, bleibt Habitus relativ konstant zeigt Grenzen auf, die einer Person gesetzt sind. Es ist ein System von Grenzen, dessen Bewusstwerden möglich ist. Solidarität Allgemein: wird in unterschiedlichen Kontexten gebraucht, um Verbundenheit zum Ausdruck zu bringen Heinz Bude glaubt, Quelle der Solidarität wäre das Bewusstsein der eigenen Verwundbarkeit Solidarität: Empathie, gemeinsame Überzeugungen Schlüsselbegriff der Soziologie kein eigenständiger Forschungsbereich, sondern Querschnittsthema (Familiensoziologie, Arbeitssoziologie etc.) gemeinsamer Kern: Hilfe, Unterstützung, Kooperation oder Zusammenhalt Theoretische Ansätze zur Solidarität: Emile Durkheim: betrachtet Solidarität als zentrales „Bindemittel“ der Gesellschaft & als Grundlage sozialer Ordnung Solidarität ist für Durkheim eng mit Moral verknüpft -> gemeinsame Normen & Werte zwingen Individuen, Rücksicht zu nehmen du Pflichten zu erfüllen unterscheidet 2 Solidaritätsformen, die sich mit gesellschaftlichen Wandel verändern: Mechanische Solidarität Organische Solidarität Gray Hetcher: versteht Solidarität als Gruppensolidarität, die sicherstellt, dass Gruppen stabile Beiträge ihrer Mitglieder erhalten arbeitet aus rational-choice Perspektive: Mitglieder entscheiden nach Kosten-Nutzen-Kalkül, ob sie sich solidarisch verhalten Solidarität ist das Ergebnis von Kontrolle, Sanktionen & Belohnungen binnen der Gruppe Seine Begründung: Solidarität entsteht, wenn Gruppen exklusive und teilbare Güter anbieten, an denen nur beitragende Mitglieder voll teilhaben können Pflichten, Erwartungen & mögl. Sanktionen gegen Trittbrettfahrer motivieren Mitglieder, ihren Beitrag zu leisten 2 Grundlegende Solidaritätsbegriffe Individualistischer Solidaritätsbegriff: Fokus auf individuelle Akteure Solidarität als Ausdruck persönlicher Gefühle, Einstellungen oder Verhaltensweisen verstanden Grundlage: subjektiv akzeptierte Verpflichtung oder Wertideal -> Individuen handeln moralisch ‚gut‘ Strukturalistischer Solidaritätsbegriff: Fokus auf Systemebene (Eigenschaften sozialer Systeme) Solidarität wird als institutionalisierte Regelung verstanden, z.B. Steuertarife oder Sozialabgaben im Wohlfahrtsstaat Grundlage: Solidarität konstruiert sich nur durch Solidarnormen Solidarnormen gelten und erzeugen kollektive Praktiken Verhältnis zwischen Akteur- und Systemebene: Solidarnormen dienen als konzeptionelle Klammer, um beide Ebenen analytisch zu beziehen (intrinsisch & extrinsisch) Solidarität auf Systemebene kann existieren, ohne dass Akteure persönliche Solidarnormbindungen haben -> Voraussetzung sind ausreichend Anreize wenn ausreichend Anreize fehlen, ist Systemsolidarität auf intrinsisch motivierte Solidarnormbindung der Akteure angewiesen Soziale Probleme Allgemein: Definition: Soziale Probleme sind eine Diskrepanz zwischen einem gesellschaftlichen Soll-Zustand und dem realen Ist-Zustand Kollektiver Charakter: haben eine kollektive Dimension & erfordern gesellschaftliche & politische Lösungsansätze Abgrenzung zu privaten Problemen: Grenze zwischen privaten & sozialen Problemen ist variabel & veränderlich Aufmerksamkeitsschwankungen: kann stark schwanken. Manche Probleme plötzlich medial skandalisiert und andere werden vergessen Bearbeitung durch Institutionen: viele Probleme werden dauerhaft von spezialisierten Institutionen bearbeitet (z.B. Soziale Arbeit, Politik) Entproblematisierung: Probleme können auch wieder entproblematisiert werden (z.B. Homosexualität) Alte Soziale Probleme bsp: Armut, Arbeitslosigkeit, Rassismus, Neue Soziale Probleme bsp: Diskriminierung, Altersarmut, Klimawandel, Soziale Konstruktion von Problemen: keine objektive Gegebenheit: Soziale Probleme sind nicht objektiv gegeben, sondern werden durch kollektive Akteure hergestellt (Medien, Politik, soziale Bewegungen etc.) Basis in gesellschaftlichen Werten: Problematisierung basiert auf gesellschaftlich anerkannten Werten wie Menschenwürde, Gleichheit & Gerechtigkeit Anerkennung als Machtfaktor: Problemdarstellungen sind (sozial-) politisch konnotiert Bestimmung von Zuständigkeiten: Definitionen von Problemen bestimmen, welche Institutionen zuständig sind (z.B. Justiz, Medizin, SA) Bsp. Drogenkonsum: je nach Deutung kann es als Kriminalität, Krankheit oder soziale Problemlagen betrachtet werden -> unterschiedliche Zuständigkeiten & Folgen Soziologie sozialer Probleme: Forschungsgegenstand: Soziologie SA untersucht: a) Ursachen: warum bestimmte gesellschaftliche Zustände oder Verhaltensweisen als problematisch wahrgenommen werden, wie sie entstehen, sich entwickeln & welche Lösungsversuche es gibt b) Folgen: Auswirkungen der Probleme auf Individuen & Gruppen Wohlfahrtsstaaten als „Garanten“: entwickeln Konzepte rationaler, auf Integration angelegter sozialer Kontrolle als vermeintliche Garanten für die Lösung sozialer Probleme Fortbestehen der Probleme: trotz dieser Entwicklungen bestehen „alte“ und „neue“ Probleme weiter Rekonstruktionistischer Ansatz: Fokus: Wie werden soziale Probleme gesellschaftlich hergestellt? Erweiterter wissenschaftlicher Blick: Berücksichtigung von Prozessphänomenen wie gesellschaftliche Diskurse, Definitionen, Aushandlungen Ergänzung Objektivität: Objektivität nicht verschwunden (Alkoholismus, Gewalt), wird aber ergänzt durch Analyse von Entstehungs- und Definitionsprozessen Erkenntnis: viele soziale Probleme haben objektive Seite als auch konstruktive soziale Seite Durchsetzungschancen & Macht: Durchsetzungschancen wenn, bestehende Ressourcenverteilungen betroffen sind neue Ressourcen nötig sind Lösungen kostenneutral oder kostenintensiv wären neue oder veränderte Organisationen notwendig sind Macht durch Nichtbearbeitung: Macht zeigt sich oft in Nichtbearbeitung, fehlende Zuständigkeit oder die Unmöglichkeit, Probleme in bürokratisch verwertbare Formen zu bringen „Non-Decisions“: Entscheidungen gegen eine Bearbeitung (Non-Decision) beeinflussen die Entstehung oder Nicht-Entstehung sozialer Probleme Grundannahme Soziale Arbeit: Soziale Arbeit bezieht sich auf gesellschaftlich bedingte Problemlagen, nicht nur auf individuelles Versagen. Dies ist ein fester Bestandteil der professionellen Haltung. Rolle der Sozialen Arbeit: Bearbeitung, Kontrolle, Verwaltung: vorgegebener & sozialpolitisch regulierter sozialer Probleme Legitimation & Finanzierung: Soziale Probleme bilden die Leg, Finanzierungsgrundlage & den Handlungsanlass für SA Entstehung von Institutionen: wie Jugendhilfe, Beratungsstellen entstehen zur Bearbeitung von Problemen Soziale Arbeit als „Doing Social Problems“ Institutionalisierung von Problemkonstruktionen: Verfestigung durch Organisationen: Problemkategorien werden durch Organisationen, Gesetze, Verordnungen & Methoden verfestigt Evidenz & Selbstverständlichkeit: durch Institutionalisierung wirken Problemkategorien selbstverständlich & evident Zuständigkeit & Leg: ohne zuständige Stelle bleiben Problematisierungen vage oder gesellschaftlich irrelevant. Aufnahme in Gesetzesbücher oder Hilfsangebote schaffen Zuständigkeit und Leg Wirkung und Organisation auf Problemdefinition: Interpretationsrahmen durch Existenz: Existenz einer Einrichtung bspw. Suchtberatung, schafft einen Interpretationsrahmen, der das Vorhandensein einer „Sucht“ impliziert Offizielle Anlaufstelle: Organisationen werden zu offiziellen Anlaufstellen für Betroffene Umsetzung allgemeiner Kategorien: Organisationen setzen allgemeine Kategorien (z.B. Kriminalität, Hilfsbedürftigkeit) auf konkrete Personen um Personen werden zu Fällen: Individuen werden zu Fällen, Adressat*innen, Patient*innen oder Verdächtigen gemacht Automatische Statuszuschreibung: im Gesundheitssystem: Patient*in = krank im Strafsystem: Person = Täter oder Opfer in Sozialer Arbeit = Adressat*in = hilfebedürftig Achtung: Problemkategorien enthalten ein moralisches Urteil über Personen Bedeutung von Emotionen: Emotionen beeinflussen Interaktionen Professionelle nutzen Emotionen strategisch, z.B. zur Herstellung von Autorität Devianz: bezeichnet abweichendes Verhalten kein festes Merkmal einer Person oder Handlung, sondern entsteht im sozialen Kontext wird definiert durch gesellschaftliche Normen, Regeln und sozialer Kontrolle Ergebnis gesellschaftlicher Prozesse und der Definitionsmacht bestimmter Gruppen verweist auf die Fragilität sozialer Bindungen verdeckt häufig strukturelle gesellschaftliche Ursachen Was als Regel und was als Normverletzung gilt, wird oft erst durch Sanktionen sichtbar Arten von Sanktionen: Informelle Sanktionen: Entstehen oft aus Verunsicherung und Nicht-Verstehen Bsp. Ausgrenzung Formale soziale Kontrolle: dient dem Rechtschutz und dem gesellschaftlichen Ausgleich Bsp. Strafrecht Theorien der Devianz: Durkheim: Definition: Devianz entsteht, wenn gesellschaftliche Normen unklar oder diffus werden Anomie: Devianz ist ein Ausdruck von Anomie Anomie (griechisch für „Gesetzlosigkeit“ oder „Normlosigkeit“) beschreibt einen Zustand, in dem gesellschaftliche Normen, Werte und Regeln schwach, widersprüchlich oder nicht existent sind führt zu Organisationslosigkeit, Isolation, Frustration & deviantem Verhalten Durkheim sah dies als Problem moderner, arbeitsteiliger Gesellschaften, in den alte Regeln nicht mehr gelten und neue fehlen, was zu einer „krankhaften Unbegrenztheit der Wünsche“ führt Etikettierungsansatz (Labeling Approach): Devianz entsteht durch Zuschreibungsprozesse, nicht durch Verhalten selbst Gleiches Verhalten kann je nach Kontext als normal oder abweichend gelten